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Geschrieben am: 16/04/2019

Vertikales Südtirol: Vier Klettersteige zu Beginn der Saison

Der Frühling und die damit verbundene Klettersteig-Saison stehen vor der Tür. Neben den bekannten „Vie Ferrate“ am Gardasee können sich auch die neuen Klettersteige im Burggrafenamt und Vinschgau sehen lassen. Dort befinden sich unter anderem die zwei technisch schwierigsten Klettersteige Südtirols: Der „Hoachwool“ und der „Tabaretta-Klettersteig“, der allerdings nur im Sommer begehbar ist.

Klettersteiggehen macht Spaß und bietet gerade im Frühling die Gelegenheit die faszinierende Welt der Felsen zu erleben. Auch weniger Geübte spüren am Klettersteig das Gefühl der Vertikalen und das Spiel mit dem eigenen Körperschwerpunkt. Niemals vergessen sollte man aber, dass man auch auf mäßig schwierigen Klettersteigen gut vorbereitet und passend ausgerüstet sein soll. Wir stellen euch vier Klettersteige in Südtirol vor, die sich bestens für das Frühjahr eignen. Den fünften, den „Tabaretta-Klettersteig“ sollte man sich für den Sommer aufsparen.

1. Der „Knott-Klettersteig“ in Unterstell bei Naturns.
Seit wenigen Jahren erfreut der Übungs- und Familienklettersteig „Knott“ in Unterstell, oberhalb von Naturns die jungen Klettermaxe und deren Eltern. Der gesicherte Kletterfelsen bietet neben einfachen Routen für Einsteiger auch exponierte Passagen und technische Abschnitte (Schwierigkeit B/C). Eine luftige Seilbrücke und zwei steile Leitern garantieren zusätzliche Adrenalinkicks.
Start: Der Einstieg am Salamanderpfeiler, auch „Sally“ genannt, ist von der Bergstation der Unterstell Seilbahn in einer gemütlichen Viertelstunde erreichbar.
Die Route „Sally“ (B–B/C–D) beginnt direkt am „Wandfuß“. 50 m Stahlseil führen über zwei Überhänge hinauf zur Big foot bridge. Der ca. 4 m hohe „Untertassen Überhang“ ist die schwierigste Stelle (D).
Über die „Big foot bridge“ erreicht man die Routen „Turtle“, „Affele“ und „Rocky“. „Turtle“ ist die einfachste Route (B). 40 m Stahlseil führen hinauf zum Ausstieg. Alle schwierigen Stellen sind durch Tritthilfen entschärft. Von der Route „Turtle“ zweigt auf halbem Weg die Reibungs-Traverse (A–C) ab. Der Ausstieg ist schwierig (C) und endet bei der ersten Himmelsleiter.
Die Route „Affele“ (insgesamt 50 m Stahlseil) beginnt mit der schwierigen „Oacherle-Quergang“ (B– C/D) und führt dann Richtung Leiter aufwärts zum „Elefantenbauch“ (C). Es folgen die erste Himmelsleiter und der Ausstieg (B–A).
Die Route „Rocky“ (insgesamt 60 m Stahlseil) beginnt nach dem „Oacherle-Quergang“. Über den „Weg zum Geist“ (B) quert man nach rechts und über eine kleinen Überhang (B/C) erreicht man die sehr steile, zweite Himmelsleiter. Der Rest der Route (A–B) führt über das Auge, einer einfachen Querung und einer Kante zum Ausstieg.

 

2. Der „Hoachwool-Klettersteig“ an der Einfahrt ins Schnalstal westlich von Naturns.
Ausgangspunkt ist die Talstation der Unterstell-Seilbahn in Naturns. Der Zustieg beginnt am Parkplatz und führt rechts des Schnalser Baches entlang. Trittsicherheit und guter Trainingszustand sind bei diesem Steig mit Schwierigkeitsstufe D unbedingt Voraussetzung und die Trinkwasserflaschen sollten unbedingt mitgeführt werden. Etwa viereinhalb Stunden sollte man sich für die Begehung dieses sonnenexponierten Klettersteiges einplanen.
Vom Parkplatz an der Talstation Unterstell folgt man dem markierten Steig bis zur Auffahrt von Schloss Juval. Hier den Weg am Bachufer entlang mit einigen Klettersteigpassagen (Grad B/C) taleinwärts, der uns zum ersten Aha-Erlebnis führt: der Seilbrücke, die in schwindelnder Höhe den Schnalser Bach überquert. Anschließend beginnt das vertikale Vergnügen bis zum Schnatzereck mit vielen Höhepunkten und atemberaubenden Tiefblicken. Abstieg über den Wanderweg (Markierung 10) oder mit der Seilbahn Unterstell zum Parkplatz.

 

3. Der „Heini-Holzer-Klettersteig“ am kleinen Ifinger in Meran 2000
Auch der „Heini-Holzer-Klettersteig“ über die SW-Flanke des Kleinen Ifinger im Wandergebiet Meran 2000 wurde erst vor wenigen Jahren errichtet. Er führt vom leicht erreichbaren Wandfuß anfangs über einen grasigen Kamm am rechten Rand einer Rinne, bis zum Ausstieg an der Schulter des mächtigen Pfeilers aus Ifinger-Tonalit. Viele steile und schwierige Stellen wurden durch Tritthilfen entschärft. An der sogenannten „Engelskante“ muss man mit Abschnitten im Schwierigkeitsgrad B und C rechnen. Nach dem Ausstieg folgt man der Beschilderung zur Abzweigung „Kleiner Ifinger (2.552 m) und Großer Ifinger (2.581 m)“. Dort beginnt auch der Abstieg hinunter zur gut sichtbaren Kuhleitenhütte. Wer spät dran ist, kann kurz vor Kuhleiten nach rechts abbiegen und gelangt auf einem Steig, der durch die Grasflanke hinunter zu einem breiten Weg führt, zurück zum Ausgangspunkt.
Eine grandiose Route mit phantastischen Ausblicken in die Sarntaler Alpen, in die Texelgruppe und in die Ortleralpen.
Die Ausrichtung des Aufstieges nach Südwesten hin erlaubt eine sehr frühe Begehung des Klettersteiges. Die Bergsaison reicht bis weit in den Spätherbst hinein.
Start: Am Parkplatz der Meran 2000 Seilbahn in der Naif bei Schenna, oberhalb von Meran.

 

4. Der neue „Trafoi Klettersteig“ am Felspfeiler gegenüber von Trafoi.
Der neue Trafoi-Klettersteig wird im April 2019 eröffnet. Der Ausgangspunkt liegt beim Parkplatz am Hotel Bellavista in Trafoi. Bis zum Einstieg wandert man ca. eine halbe Stunde über einen alpinen Steig. Die Kletterlänge des Klettersteiges (Schwierigkeit B/C) beträgt 300 m, die man in 2 Stunden bewältigt. Der Klettersteig war im Herbst 2018 bereits begehbar, wenngleich er noch nicht ganz fertig gestellt war. Der Klettersteig ist am Felspfeifer gegenüber Trafoi angelegt. Die Schwierigkeit liegt meist bei B, kurze Stellen C. Es ist ein moderner Sportklettersteig mit verschiedenen Varianten und bestens gesichert. Geeignet ist der neue Klettersteig für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren, bei entsprechender Sicherung.
Start: Beim Parkplatz unterhalb vom Hotel Bellavista in Trafoi, an der Stilfserjoch-Passstraße.

 

5. Der „Tabaretta Klettersteig“ am Ortler (Sommerklettersteig)
Dieser Klettersteigst ist einer der schwersten Klettersteige Italiens, dazu befindet sich der Klettersteig in hochalpinem Gelände. KlettererInnen werden sich auf dieser extremen „Via Ferrata“ vermutlich leichter zu Recht finden, als typische KlettersteiggeherInnen.

Ab Juli kann man den „Tabaretta-Klettersteig“ begehen. Schon am Einstieg wird man mit einer anspruchsvollen Stelle konfrontiert. Hier befinden sich zwei Verschneidungen (C) danach ein kleines A/B Stück, bevor man an die erste Schlüsselstelle kommt. Diese nennt sich das “Himmelreich”, ein kleiner, abdrängender Überhang in Schwierigkeit D. Anschließen max. C bis zur nächsten Schlüsselstelle. Diese ist ein ausgesetzter steiler Riss, der rechts hoch geklettert wird. D/E Nun wieder leichteres Gelände bis max. C.

Nun hat man die eigentliche Schlüsselstelle erreicht. Der „Gele Knott“ (E) ist eine 15 m lange, senkrechte, glatte Wand ohne Tritte. Das Stahlseil verläuft hier schräg, etwa 45°Grad ansteigend. Es beginnt mit einem kurzen Stück D, danach E bis zum Ende der Wand. Nach einem weiteren Stück C kommt ein Rastplatz, den auch trainierte Klettersteiggeher gerne nutzen.

Kurz nach dem Rastplatz befindet sich nochmal eine C/D Stelle. Kurz darauf verläuft der Weg unschwierig weiter (Gehgelände). Im oberen Drittel befindet sich nocheinmal eine Schlüsselstelle D. Diese ist eine glatte, senkrechte Verschneidung mit wenigen Tritten. Nach dieser Passage geht es unschwierig über Platten und leichtem Gehgelände bis zum Ausstieg des Tabaretta Klettersteiges auf 3.070 m.
Der Abstieg erfolgt ab dem Ausstieg rechts in Richtung Julius-Payer-Hütte (3.029m). Ab der Hütte dem Weg Richtung Bärenjochscharte folgen und von dort zurück zur Tabarettahütte und auf dem Aufstiegsweg zurück. Oder: Abstieg unter der Seilbahn zurück zum Parkplatz ca. 2:00 Std

Bildquelle: Peter Righi, Bernd Kusstatscher

 

Autor: Peter Righi

Publizist und erfahrener Touristiker, Landschaftsentdecker und leidenschaftlicher Südtirol-Kenner, der wissbegierig ständig auf der Suche nach Neuem ist. Seit mehr als 30 Jahren besteigt er bekannte und weniger prominente Gipfel der Ostalpen und ist liebt das Abenteuer in den schönsten Naturlandschaften der Erde. Rege Publikationstätigkeit für renommierte Verlage und Journale. Er ist in seiner Heimatstadt Bozen als Journalist tätig.