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Geschrieben am: 20/09/2019

Törggelezeit in Südtirol: Sieben schöne Einkehr-Bauernhöfe

In Südtirol öffnen während der Weinlese und der „Kastanienzeit“ die Bauern ihre Höfe und laden zum genussreichen (und positiv gemeinten) „Stubenhocken“ ein.

Am Endspurt der schneefreien Bergsaison sollte man es nicht versäumen die klaren Herbsttage mit einer Törggelewanderung zu verbinden und bei einem Bauernhof einzukehren. Im Oktober zeigt sich die Landschaft in herbstlicher Farbenpracht, die Sonne ist stark und der Duft des Herbstes intensiv. Seit jeher nutzen auch Bergsteiger diese Zeit gemütlich in einer Bauernstube zusammenzusitzen und über die Fahrten der vergangenen Saison zu plaudern. Bei bäuerlicher Kost, frischem Wein und gerösteten Kastanien wird viel erzählt, gelauscht und öfters werden dabei auch gemeinsame Tourenpläne für den Winter geschmiedet.

Über die Tradition des „Törggelen“, dessen Ursprung und Original dort stattfindet, wo Wein und Kastanien gedeihen, sind sich auch Experten nicht einig. Eine These lautet, dass Bürger und Gastwirte aus dem Eisacktal von Weinhof zu Weinhof gezogen sind und dort den Wein in den Kellern und Stuben der Bauern verkostet haben sollen. Daraufhin wurde der Wein für den Jahresbedarf erstanden. Eine weitere These besagt, dass die Bozner Weinbauern ihre Helfer zu einer besseren Mahlzeit am Hof, dem sogenannten „Auraumer“ eingeladen haben. Dies fand sehr oft in den Kellern statt, in denen die Weinpresse, die „Torggl“ stand, von der auch der Name „Törggelen“ abgeleitet wird. Stimmen können beide Thesen, aber das Wesentliche ist, dass sich beim Törggelen alles um den Wein und die gebratenen „Keschtn“ dreht. Es sind die begehrten Esskastanien, die an den wasserreichen Sonnenhängen gedeihen und die bei einer zünftigen „Törggele-Marend“ mit Speck, Kaminwurzen und Salzkartoffeln nicht fehlen dürfen. Erst vor wenigen Jahrzehnten, in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, tischten findige Gastgeber bald aber auch deftige Schlachtplatten und kreative Gaumenfreuden auf. Einen besonderen Abschluss des „Törggele-Menüs“ bilden die süß gefüllten Krapfen. Empfehlenswert sind die Krapfen mit „Kloazn-Füllung“ (getrocknete Birnen), die man vor allem rund um Bozen serviert bekommt.

Man geht „Törggelen“!

Man „geht“ Törggelen, das bedeutet, dass eine ausgelassene Törggelepartie stets mit einer Wanderung verbunden sein sollte.
Die Wanderung im Mittelgebirge ist mit einem Besuch eines der vielen Schlösser und Burgen oder mit der Besichtigung einer der vielen kunsthistorischen Schätze am Weg verbunden. Empfehlenswert ist der „Keschtnweg“, der Kastanienwanderweg, der vom Eisacktal über den Ritten bis zur Bilderburg Runkelstein verläuft. Am „Keschtnweg“, auf dem man immer wieder an mächtigen Kastanienbäumen vorbeikommt, bieten außerdem Direktvermarkter regionale Produkte an. Kunst- und Naturdenkmäler entlang des „Keschtnweges“ zeugen von einer Jahrhunderte alten Kultur, sagenumwobene Orte erzählen von Hexen, Feen und Geistern. Der Keschtnweg ist 63 km lang und kann in mehreren Etappen zurückgelegt werden. Auch an den sonnenverwöhnten Hängen von Jenesien, der Gemeinde mit den meisten Kastanienbäumen in Südtirol, kann man zwischen der Ruine Rafenstein, dem Weiler Glaning und der Schlossruine Neuhaus/Maultasch in Terlan die Kraft der Kastanienbäume spüren.

Törggelen am Ursprung ab Samstag, 5. Oktober 2019

Törggelen am Ursprung beginnt im Oktober mit dem Entfachen des „Keschtnfeuers“ und einem ausgewogenen Rahmenprogramm. An der Initiative beteiligen sich 22 Buschenschankbetriebe, die mit dem Gütesiegel „Roter Hahn“ ausgezeichnet sind und in den klassischen Weinanbaugebieten Südtirols liegen. Die Weine stammen vom eigenen Weinbauernhof und 30 % der Produkte vom eigenen Hof und Feld, es werden Kastanien aus Südtirol angeboten und es kommen authentische bäuerliche Gerichte auf den Tisch. www.roterhahn.it

Erntedankfest am 12. Oktober 2019 am Waltherplatz in Bozen.

Säfte, Wein, Schnäpse, Essig, Milchprodukte, Kräuter, Eier oder Gemüse arrangieren sich zu einer kulinarischen Genusspalette. Beim farbenfrohen Bauernmarkt mit Festcharakter Mitte Oktober am Bozner Waltherplatz können die Produkte verkostet und erworben werden, während die Produzenten Rede und Antwort stehen.

Der Keschtnweg

Der Kastanienweg führt von Kloster Neustift bei Brixen über die Hänge des Eisacktales und dem Rittner Hochplateau bis zur Bilderburg Runkelstein bei Bozen. Der 63 km lange Weg kann in drei gemütlichen Tagesetappen in beide Richtungen erwandert werden und hat bietet das ganze Jahr über landschaftliche Reize.
Besonders lohnend ist auch die Wanderung von Bozen über Glaning bis nach Terlan.

Sieben schöne Bauernhöfe zum Einkehren:

Der Baumannhof oberhalb von Bozen

Eine Einkehr beim Baumannhof gilt in Südtirol wie das „elfte Gebot“. Die legendäre Bäuerin und Wirtin Mali Höller gilt in Südtirol als DIE Expertin für regionale, saisonale und traditionelle Gerichte, die sie durchgehend selbst erzeugt und die ein starkes Stück Seele Südtirols in sich tragen.

Eine Delikatesse sind ihre selbstgemachten Schlutzkrapfen und die Käseknödel, Rippchen, Hauswurst oder der Speck-Krautsalat ebenso. Schön ist auch der Blick auf die Dolomiten, den man von der Terasse am Baumannhof erlebt und der das kulinarische Glück verstärkt.

Reservieren kann man telefonisch. Keine Webseite, keine E-Mail.

„Wer Online ist, der ist an der Leine!“ – sagt Mali Höller selbstbewusst.

Baumannhof
Signat am Ritten
Fam. Höller
Tel.: +39 0471 365206

 

Der Fronthof in Völs am Schlern

Der urige Fronthof in Völser Aicha liegt an einem sonnigen Südhang, direkt unterhalb des mächtigen Schlern-Massivs. Der Hof wurde im Jahr 1379 erstmals urkundlich erwähnt und blickt auf eine lange Tradition zurück. Er ist das größte erhaltene Bauernhaus Südtirols, das auf Steinquadern erbaut worden ist.

Fronthof
Völser Aicha bei Völs am Schlern
Fam. Kompatscher
Tel.: +39 0471 601091
[email protected]
www.fronthof.com

Der Gostnerhof in Barbian (Eisacktal)

Der Gostnerhof liegt ruhig und sonnig, umgeben von den Weinbergen und Obstwiesen der eigenen Landwirtschaft, im klimatisch besonders milden Eisacktal in der Gemeinde „Barbian“ und die Besonderheiten sind das Schwimmbad mit Liegewiese, die Törggelestube und ein großer Privatparkplatz. Zahlreiche Wanderwege führen durch die schöne, historisch geprägte, Mittelgebirgslandschaft des Eisacktales, bis zu den sonnigen Hochalmen mit herrlichem Rundblick zu den gegenüberliegenden Dolomiten.

Gostnerhof
Fam. Winkler
Tel.: +39 0471 654357
[email protected]
www.gostnerhof.com

 

Der Gummererhof in Pinzagen bei Brixen (Eisacktal)

Törggelen kann man beim Gummererhof, in Pinzagen oberhalb von Brixen von Mitte September bis Mitte Dezember. In geselliger Runde, manchmal musikalisch umrahmt, bietet der Bauernhof ein umfangreiches Angebot an typischen Speisen der Region. Hausgemacht sind die Schlutzkrapfen, die Gerstensuppe oder die Kasnocken als Vorspeise, Rippelen, Würsten, Knödeln und Sauerkraut als Hauptgericht. Abgerundet wird das Menü mit Nüssen, süßen Krapfen und den beliebten Keschtn als Nachspeise. Dazu werden Weine aus dem Brixner Raum und der hausgemachte Sekt aus der Südtiroler Urtraube “Blaterle“ aufgeschenkt.

Gummererhof
Pinzagen bei Brixen
Fam. Gummerer
Tel.: +39 0471 835553
[email protected]
www.gummererhof.it

 

Der Kinighof in Siffian, am Ritten

Auf dem Kinighof in Signat am Ritten spürt man die echte, bäuerliche Lebenskultur des Landes. Das Landgasthaus Kinig, liegt etwas oberhalb des Dorfes Signat. Der historische Bauernhof wird mit großer Umsicht und Liebe fürs Detail gepflegt. Erwähnt wird er erstmals im Jahr 1551. Einige Gebäudeteile stammen noch aus jener Zeit, andere sind sogar noch älter. Charakteristisch sind die historische Stube und die Räucherkammer (Selch) mit dem dazugehörigen Ofen. In der Küche werden Zutaten aus hofeigener Produktion verwendet, wie Frischmilch, Frischkäse, Almkäse, Apfelsaft aus biologischem Anbau, Apfelessig sowie der feurige Rotwein, St. Magdalena.

Kinighof
Signat am Ritten
Fam. Pechlaner – Zwerger
Tel.: +39 0471 365047
[email protected]
www.hof-kinig.it

 

Beim Oberpartegger unterhalb von Villanders im Eisacktal

Der Oberpartegger, der unterhalb von St. Stefan und St. Moritz in Villanders liegt, ist fast schon ein reiner Selbstversorger. In den beiden Bauernstuben werden Fleisch, Speck, Würste und „Surfleisch“ aus hofeigener Schlachtung und Verarbeitung angeboten. Der Eigenbauwein und mehrere hofeigene saisonale Produkte runden den Aufenthalt beim Oberpartegger ab.

Weinkenner und Weinliebhaber werden den als Brut ausgebauten Sylvanersekt schätzen. Er präsentiert sich elegant mit dezenten Frühlingsaromen und warmen Noten nach Safran und Brioche. Der aktuelle Weißburgunder erfrischt mit seinem anregenden Duft nach Gletschereis und einem Strauß frischer Bergkräuter. Ebenso der Sylvaner begeistert im Gaumen mit einer saftigen Fülle und einer ausgewogenen Mineralität. Der Vernatsch vom Oberpartegger besticht mit einem zarten Geschmack nach Marzipan und der Zweigelt erinnert in der Nase an schwarze Johannisbeere.

Der bäuerliche Hofschank beim Oberpartegger ist von September bis Dezember und von März bis Mai ab 17 Uhr geöffnet. Im Herbst und zur Spargelzeit an Sonntagen bereits ab 13 Uhr geöffnet. Im Herbst Montag Ruhetag, im Frühjahr Montag bis Mittwoch Ruhetag. Absolut empfehlenswert ist eine telefonische Vorbestellung.

Oberpartegger
Unter St. Stefan 7 – Villanders
Fam. Kainzwaldner
Tel. +39 0472 847869
Mobil +39 329 1118211
[email protected]

 

Der Zunerhof in Antlas in Lengstein am Ritten

Der schön gelegene Zunerhof in Antlas, unterhalb von Lengstein am Ritten, legt auf seine hofeigenen biologischen Produkte großen Wert. In den Bauernstuben aus dem 16. Jahrhundert oder auf der Terrasse mit Sicht auf das Andreaskirchlein, werden hausgemachte Säfte und wahre Gaumenfreuden der Hausmannskost serviert. Kulinarisch überrascht der Zunerhof nicht nur mit dem Törggelen im Herbst, sondern ebenso mit dem Zuner-Brunch im Frühjahr und den Veranstaltungen beim Zuner-Sommer und einigen anderen Besonderheiten, die stets auf der Website angekündigt werden.
Sehenswert ist auch das interessante Gebäude mit seinem schönen Bundwerkgiebel, der steingerahmten Spitzbogentür, seiner Viereckfenster sowie der breiten, mit Fresken bemalten Fassade mit Fresken. Kinder erleben Kurzweil im Streichelzoo und am Spielplatz.

Zunerhof
Antlas/Lengstein am Ritten
Fam. Öhler
Tel. – Mobil: +39 320 1952291
[email protected]
www.zunerhof.com