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Geschrieben am: 04/10/2017

Törggelen in seiner Reinform

Was gibt es Schöneres, als eine Herbstwanderung in der klaren Luft und anschließend eine „Marend“ mit Wein und Kastanien in einem Buschenschank. Das ist das „Törggelen“ in seiner Reinform, wie es Einheimische und Gäste lieben.

 

Wenn sich in Südtirol die Kletter- oder Hochtourensaison dem Ende zuneigt, dann zieht es auch die hartgesottenen Alpinisten und Abenteurer zum „Törggelen“ ins Mittelgebirge. Die herbstlichen Düfte locken in die Stuben und Keller, zu Wein, einer deftigen Bauernkost und zu den „Keschtn“. Es ist eine alte Tradition unter Bergsteigern, sich in der Hütte oder bei einem Bauernhof zusammenzusetzen und sich den kulinarischen Freuden hinzugeben. Dabei wird auch sehr viel erzählt, gelauscht und nicht selten werden auch neue Seilschaften gegründet.

 

Törggelen kann man in den Südtiroler Wein- und Kastanienanbaugebieten im Eisacktal, rund um den Bozner Talkessel, im Überetsch oder Meran. Beim traditionellen Törggelen dreht sich alles um den Wein und die gerösteten „Keschtn“, die begehrten Esskastanien, die an den Sonnenhängen im Mittelgebirge gedeihen und die bei einer zünftigen „Törggele-Marend“ mit Speck, Kaminwurzen und gekochten Salzkartoffeln nicht fehlen dürfen. Einen besonderen Abschluss des „Törggele-Menüs“ bilden die süß gefüllten Krapfen. Empfehlenswert sind die Krapfen mit „Kloazn- oder Mohnfüllung“. Törggelen kann man in Südtirol von Anfang Oktober bis zum Beginn der Adventszeit. Sehr viele Bauern öffnen während dieser Zeit ihre Stuben und Keller. Dort verweilt man manchmal oder gar oft bis zu später Stunde.
Man erkennt die bäuerlichen Schankbetriebe, die Buschenschänken am Strauß mit einem roten Band, der vor der Haustür hängt.
Auch wenn beim Törggelen der Schwerpunkt beim Essen und Trinken liegt, so spielt die Auswahl der geeigneten Wanderung eine wesentliche Rolle, denn man „geht“ Törggelen. Man wandert in geselliger Runde durch herbstlich gefärbte Mischwälder und Kastanienhaine, durch Weinreben, vorbei an Bauernhöfen verbunden mit einem Besuch einer der vielen Schlösser und Burgen, die man auf Schritt und Tritt bei einer gut ausgewählten Törggelewanderung antrifft.
Eine dieser lohnenden Wanderungen ist der „Keschtnweg“, der Kastanienwanderweg, der von Neustift bei Brixen längs des Mittelgebirges an der orographisch rechten Seite des Eisacks bis in den Bozner Talkessel zur Bilderburg Runkelstein führt.

 

Auch bei einer Törggelewanderung sollte man auf die richtige Bekleidung achten. Die kurzen Herbsttage zeichnen sich durch ihre Temperaturschwankungen aus. Dabei kann es in der Sonne ziemlich warm und im Schatten oder am Abend recht kühl werden. Jacke und Hose sollten funktionell, lässig und vielseitig einsetzbar sein. Wenn es mal richtig kalt oder stürmisch wird, sollte eine ultraleichte Jacke mit effizienter Wärmeleistung im Rucksack nicht fehlen.
Wenn man sich nach dem Zwiebelprinzip kleidet, wird es auch in der warmen Bauernstube nicht zu heiß.

Gut gewählt sollen auch die Schuhe sein. Die Wanderwege im Mittelgebirge sind im Herbst sehr oft mit Laub bedeckt, manchmal wird es auch nass und rutschig. Deshalb ist man mit einer griffigen, nicht zu harten Sohle gut bedient und durch ein atmungsaktives Obermaterial wird der Schuh auch an warmen Tagen nicht zu heiß.

 

Törggelen am Ursprung

Damit die Tradition des Törggelens nicht verwässert wird, haben sich etwa zwei Dutzend Buschenschankbetriebe zur Initiative „Törggelen am Ursprung“ zusammengeschlossen. Sie hängen während der Törggelezeit einen Strauß mir roter Schleife, einem „Buschen“, vor die Haustür. Ihre Gemeinsamkeit: Sie zelebrieren diesen Südtiroler Brauch auf ursprüngliche Art und Weise – zur richtigen Zeit und an jenen Orten, wo Trauben und Kastanien wachsen und die Trauben vom Bauer selber zu Wein weiterverarbeitet werden. Törggelen am Ursprung spielt sich nur in einem begrenzten Zeitrahmen ab und beginnt im Oktober mit dem entfachen des „Keschtnfeuers“ und einem ausgewogenen Rahmenprogramm.

Autor: Peter Righi

Publizist und erfahrener Touristiker, Landschaftsentdecker und leidenschaftlicher Südtirol-Kenner, der wissbegierig ständig auf der Suche nach Neuem ist. Seit mehr als 30 Jahren besteigt er bekannte und weniger prominente Gipfel der Ostalpen und ist liebt das Abenteuer in den schönsten Naturlandschaften der Erde. Rege Publikationstätigkeit für renommierte Verlage und Journale. Er ist in seiner Heimatstadt Bozen als Journalist tätig.