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Geschrieben am: 26/08/2020

Stern- und Nachtfotografie

Eines der beeindruckendsten Schauspiele der Natur ist der Sternenhimmel. Leider ist in den talnahen, bewohnten Gebieten die Lichtverschmutzung zu hoch, um den Nachthimmel richtig genießen zu können. Doch wenn wir fern von den störenden Lichter der Städte die Nacht verbringen, lassen sich die Gestirne sehr gut beobachten und auch fotografieren. Hier möchte ich dir einige einfachen Tipps zur Stern- und Nachtfotografie geben. Dabei werde ich mich weniger auf die technischen Aspekte konzentrieren, sondern eher auf Planung, Komposition und Belichtung.

1. AUSRÜSTUNG

Heutzutage braucht es für Nachtfotografie keine professionelle Ausrüstung mehr. Sogar bessere Kompaktkameras sind in der Lage in Situationen mit wenig Licht gute Resultate zu liefern. Wichtig ist, dass es bei deiner Kamera möglich ist manuell die Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert einzustellen. Es sollte auch möglich sein manuell zu fokussieren, da der Autofokus bei wenig Licht Schwierigkeiten hat. Am Besten du liest in der Benutzeranleitung deiner Kamera nach.

Zum Objektiv gilt generell: desto größer der Winkel mit dem du fotografierst, desto dramatischer wirken die Sterne. Fürs Erste also die Kamera so einstellen, dass möglichst viel abgebildet wird. Am allerbesten wäre natürlich ein Weitwinkelobjektiv.

Des Weiteren sind Stativ und Fernauslöser sehr hilfreich. Je weniger Licht zur Verfügung steht, desto länger die Verschlusszeit und desto größer die Gefahr das Bild zu verwackeln. Du kannst die Kamera auch auf einem Stein oder ähnlichem platzieren, doch das macht das Fotografieren meist recht umständlich. Wenn man auf der Kamera den Auslöser drückt, bewegt sich die Kamera. Auch diese minimale Bewegung kann zu Verwackelungen führen. Ein Fernauslöser ist diesbezüglich sehr nützlich. Alternativ kann man auch den Selbstauslöser der Kamera benutzten. Dadurch wird das Bild erst einige Sekunden nach dem drücken geschossen und verwackelt nicht.

Hier ein Bild meiner Nachtfoto-Ausrüstung: Nikon D7500 Kamera, Sigma 11-20 mm Objektiv, Stativ, Fernauslöser und Lampe (Je mehr Lampen desto besser, sie müssen auch gar nicht so stark sein. Ein Handy reicht z.B. schon aus um ein Zelt von Innen zu beleuchten.).

 

2. PLANUNG

Nachthimmel ist nicht gleich Nachthimmel. Mehrer Faktoren können die Qualität eines Nachtfotos beeinflussen. Dabei ist die Planung sehr wichtig:

  • Lichtverschmutzung: Je weiter man von Städten und anderen Lichtquellen entfernt ist, desto besser. Es hilft auch schon in die den Lichtquellen gegenüberliegenden Richtung zu fotografieren. Webseiten wie www.lightpollutionmap.info können bei der Planung helfen.
  • Klarheit: Je klarer die Luft desto besser sieht man die Sterne. Besonders geeignet sind Winternächte. Auch die Meereshöhe beeinflusst die Klarheit, auf den Bergen lassen sich die Sterne deutlich besser als im Tal fotografieren.
  • Der Mond: außer in speziellen Fällen ist der Mond ein Störfaktor. Im Licht unseres Satelliten sind die Sterne schwächer und die Milchstraße kaum mehr sichtbar. Außerdem kann es bei starkem Mondlicht und längeren Belichtungszeiten auf dem Foto fast wie Tag ausschauen, was bei Nachtfotografie eher kontraproduktiv ist. Der Sternenhimmel lässt sich am Besten bei Neumond, die Woche davor oder mindestens eine Stunde vor Mondaufgang/nach Monduntergang fotografieren.
  • Sehr hilfreich für die Foto-Planung sind Apps wie z.B. Sunsurveyor (www.sunsurveyor.com). Dort findet man gebündelt alle relevanten Informationen zur Sonne, Mond und Milchstraße. Außerdem lässt sich auf der Karte oder Streetview simulieren wie sich Sonne und Mond bewegen werden.

Weitere nützliche Apps sind:

  • Google Earth: Besonders durch dessen 3D-Funktion kann man die Morphologie eines Gebietes sehr gut von Zuhause aus recherchieren. (https://play.google.com/store/apps/details?id=com.google.earth&hl=en)
  • SkyView Lite: Damit kann man die Position des gewünschten Sternbildes oder der Milchstraße zu einem bestimmten Zeitpunkt bestimmen. (https://play.google.com/store/apps/details?id=com.t11.skyviewfree&hl=en)
  • Eine gute Wetter-App, in Südtirol ist die der Provinz sehr empfehlenswert. (https://play.google.com/store/apps/details?id=it.siag.weather&hl=en)
  • Kamera App: Mittlerweile ist es mit den meisten Kameras möglich Fotos durch Bluetooth direkt zum Handy zu schicken. Das ist nützlich, um ein Foto auf dem Handydisplay anzusehen. Dieses ist meist größer als das Kameradisplay, außerdem kann man in einer Bildbearbeitungs-App gleich ein paar schnelle Korrekturen durchführen und dessen Wirkung prüfen.

Einige Bildschirmaufnahmen aus der App Sunsurveyor:

 

Hier zwei Bilder aus Kirgisistan. Beide wurden an Nächten kurz vor dem störenden Vollmond gemacht. Die Sterne sind kaum zu sehen und die Landschaft ist zu hell.

[LINKS: Tereksey Alatau Berge, Kirgisistan. Nikon D7500/Sigma 10mm/20 Sek/f 4.0/ISO 3200. RECHTS: Song Kul See, Kirgisistan. Nikon D7500/Sigma 10mm/30 Sek/f 5.6/ISO 1600]

3. KOMPOSITION

Meistens sind in einem gelungenen Nachtfoto nicht nur Sterne zu sehen, sondern es stehen noch weitere Elemente im Vordergrund, die das Foto interessanter und vielschichtiger machen. Solange es noch hell ist, ist es um ein vielfaches leichter das Foto zu planen. Überleg dir also noch bei Tag wie Hintergrund (Nachthimmel), Mittelfeld (Berge, Wälder, Gebäude, Seen usw.) und Vordergrund (Person, Zelt, Objekt, usw.) zusammen spielen sollen. Achte darauf die Kamera genau so zu positionieren, wie sie dann bei Nacht positioniert sein wird (z.B. auf einem Stativ oder Stein). Mach verschiedene Testfotos, wähle die beste Komposition aus und merke dir den Aufbau genau!

Hier noch einige Tipps zur Komposition:

  • Bedenke, dass in der Nacht Farben verblassen und Objekte ineinander zu verschmelzen scheinen. Objekte oder Personen die wichtig sind sollten klar herausstechen. Um das zu erzielen kann man sie z.B. beleuchten oder als Silhouette gegen den Nachthimmel stellen.
  • Man kann sich bei der Komposition auf ein einzelnes Objekt/Person konzentrieren und diese bestmöglich in Szene setzen oder ein vielschichtigeres Foto machen, mit mehreren Ebenen zwischen der Kamera und den Sternen.
  • Fotos mit Menschen im Bild wirken oft attraktiver als solche ohne. Dabei muss der Mensch gar nicht so groß im Bild sein.

Solange es noch hell ist, ist es viel leichter die richtige Komposition zu finden!

[Vilnöß. RECHTS: Nikon D7500/Sigma 10mm]

 

Damit Objekte oder Personen besser herausstechen kann man sie beleuchten (Zelt) oder vor einem helleren Hintergrund positionieren (Person im linken Bild).

[LINKS: Erg Chigaga, Marokko. Nikon D7500/Sigma 10mm/30 Sek/f 4.0/ISO 12800. RECHTS: Erg Chigaga, Marokko. Nikon D7500/Sigma 10mm/30 Sek/f 4.0/ISO 9000]

 

Besonders bei Dunkelheit fällt es oft schwer die Proportionen eines Ortes zu erkennen, eine menschliche Figur hilft dabei!

[Hang Tien Cave, Vietnam. Nikon D7500/Sigma 10mm/4 Sek/f 4.0/ISO 800]

 

Wer ein Bild betrachtet schaut instinktiv zuerst nach ob sich Menschen darin befinden und was diese machen. Fotos mit Menschen bringen Handlung ins Bild. Der Betrachter fragt sich was diese Person macht, was gerade passiert. Warum schaut Ben in dieses Loch, was hat er vor?

[7th Hohle Cave, Oman. Nikon D7500/Sigma 11mm/10 Sek/f 4.0/ISO 1100]

 

4. BELICHTUNG

Licht spielt bei einem Nachtfoto die entscheidende Rolle. Glücklicherweise können wir Fotografen mit einfachen Mitteln genau bestimmen wie und wo wir Licht brauchen, zumindest was den Vordergrund angeht. Das Licht der Sterne oder entfernter Objekte wie Straßenlaternen oder andere Beleuchtungen können wir nicht beeinflussen. Deshalb ist es wichtig zuerst die Kamera so einzustellen, dass das Mittelfeld und der Hintergrund passen, um sich erst dann dem Vordergrund hinzuwenden. Also zuerst die Sterne und erst dann die Personen!

Um den Vordergrund (Personen, Zelte, etc.) zu beleuchten sind lediglich ein bis drei Lichtquellen wie etwa Stirnlampen nötig. Zuerst musst du dich fragen was das Wichtigste im Bild sein soll und dann kannst du dir überlegen wie du es am Besten in Szene setzt. Bei Nachtfotografie arbeitet man meist mit Belichtungszeiten bis zu 30 Sekunden. In diesem Zeitfenster kannst du das beleuchten, was im Foto herausstechen soll. Selten wirst du es beim ersten Foto richtig hinbekommen. Wenn es zu dunkel ist, dann kannst du das Objekt länger belichten, mit mehreren Lichtquellen belichten oder die Lichtquelle dem Objekt annähern. Wenn es zu hell wird, umgekehrt.

Hier noch einige Tipps zur Belichtung:

  • Es muss nicht immer stockdunkel sein. In der Blauen Stunde (die Zeit zwischen dem Sonnenuntergang und vollständiger Finsternis) lassen sich sehr schöne Bilder mit tiefblauem Himmel machen. Das kann vor allem dann nützlich sein, wenn man im Foto gern etwas mehr landschaftlichen Kontext hätte.
  • Damit der Lichtkegel der Lampe nicht klar zu erkennen ist, empfiehlt es sich während dem Belichten die Lampe hin und her zu schwenken.
  • Am Besten funktionieren regulierbare Stirnlampen. Auch Handys können erstaunlich gut funktionieren, vor allem in Kombination mit einer App um die Lichtstärke zu kontrollieren.
  • Zelte oder andere halbdurchsichtige Objekte kann man sehr gut von Innen beleuchten.

 

Auch in der Blauen Stunde lassen sich stimmungsreiche Bilder machen:

[LINKS: Stromboli, Äolische Inseln. Nikon D7500/Sigma 11mm/1 Sek/f 4.8/ISO 2200. RECHTS: Atlas Gebirge, Marokko. Nikon D7500/Sigma 10mm/2 Sek/f 5.6/ISO 560]

 

Zelte am besten von Innen beleuchten, dann wirken sie am besten!

[LINKS: Sellajoch. Nikon D7500/Sigma 10mm/30 Sek/f 4.0/ISO 3200. RECHTS: Sellajoch. Nikon D7500/Sigma 10mm/4 Sek/f 6.7/ISO 400]

 

Hier waren wir in einer Höhle in Vietnam. Je mehr Lichtquellen zur Verfügung stehen, desto besser kann man belichten! Leih dir die Stirnlampen deiner Freunde und experimentiere:

[Hang Tien Höhle, Vietnam. Nikon D7500/Sigma 10mm/2 Sek/f 4.8/ISO 1600]

 

5. KNIPSEN

Du bist hoch in den Bergen, hast einen aussichtsreichen Platz gefunden, Komposition und Licht optimiert und brennst darauf endlich dieses eine Foto zu schiessen. Leider musst du dich noch einen Moment gedulden, zuerst musst du das Bild noch scharf stellen. Wenn es zu dunkel ist, funktioniert der Autofokus nicht mehr, jetzt heisst es erfinderisch sein. Zuerst musst du der Kamera “erklären”, dass du manuell scharf stellen willst. Je nach Kameramodell funktioniert das ein bisschen anders, informiere dich in der Anleitung der Kamera (falls du diese nicht bei dir hast, findest du sie meistens als PDF auf der Website des Herstellers). Es gibt mehrere Möglichkeiten manuell scharf zu stellen. Am einfachsten geht es mit Objektiven an denen der Schärfebereich auf dem Objektiv selbst angezeigt wird (doch Achtung, es stimmt nicht immer genau überein: testen!). Alternativ kannst du den Live-View Modus deiner Kamera aktivieren und einen besonders hellen Stern maximal vergrößern und scharf stellen. Andere Möglichkeiten findest du hier:

Nachts scharfstellen

Sterne scharf fotografieren – Fokussieren in der Nacht


Dann musst du den Fernauslöser testen. Alternativ kannst du auch einfach den Selbstauslöser der Kamera aktivieren, um sicherzustellen, dass das Bild beim auslösen nicht wackelt.

Jetzt kannst du, mit der Kamera im manuellen Modus, die Belichtungszeit, Blende und ISO-Wert festlegen. Generell gilt: Die Blende so offen wie möglich halten, damit so viel Licht wie möglich nach innen dringt. Belichtungszeit nicht länger als 30 Sekunden, da die Sterne sonst verwischen. Bei Zoom-Objektiven kann das auch schon zu lange sein. Einfach beim ersten Testfoto kontrollieren und ggf. die Zeit auf 25 oder 20 Sekunden reduzieren. Fange mit einem hohen ISO-Wert an, um die Komposition noch ein letztes mal zu kontrollieren. Dann kannst du den ISO-Wert bis zur gewünschten Stärke reduzieren.

Hier sind zwei Standard-Einstellungen mit denen du beginnen kannst. Spiele dann mit der Belichtungszeit und den ISO-Wert herum, um das gewünschte Foto zu erzielen:

Für den Sternenhimmel:

  •  ISO: 1600 bis 3200
  • Belichtungszeit: ca. 20 Sek.
  • Blende: wähle die niedrigste Zahl, die dein Objektiv ermöglicht

Für den beleuchteten Vordergrund (z.B. das Zelt oder Personen):

  • ISO: ca. 400
  • Belichtungszeit: variiert stark, meist zwischen 5-15 Sek.
  • Blende: ca. f/5.6

Dank digitaler Technologie ist es zum Glück kein Problem mehr einfach drauflos zu schießen und das Resultat am Display zu kontrollieren und ggf. die Einstellungen zu verändern. Halte dich nicht zurück!

Achtung, das Foto im Kameradisplay schaut, wenn man es im Dunkeln betrachtet, heller aus als es dann bei Tag auf einem Bildschirm oder ausgedruckt ausschaut. Im Zweifel also auch ein überbelichtet wirkendes Foto schießen, vielleicht ist dieses bei Tag dann genau richtig.

6. NACHBEARBEITUNG

Die Nachbearbeitung von Nachtfotos ist genauso wichtig wie das knipsen selbst! Bei Tageslicht kann man sich oft eine Nachbearbeitung sparen, doch bei Sternfotos ist es unmöglich. Bei Nachtfotos ist es besonders wichtig, selektiv zu bearbeiten: der Sternenhimmel hat meist andere Korrekturen nötig als der Vordergrund. Online findet man viele Tutorials zu diesem Thema. Hier sind einige ausgewählte Links:

Besonders gut funktioniert auch verschiedene Fotos vom Hintergrund (meist Sternenhimmel) und Vordergrund zu knipsen und diese dann in Photoshop zu kombinieren. Sehr wichtig ist dabei, dass sich die Kamera zwischen einem Foto und dem anderen ja nicht verschiebt! Du solltest also mit einem Stativ arbeiten. Knipse einfach zwei Fotos vom exakt gleichen Motiv, einmal stellst du die Kamera so ein, dass der Himmel möglichst gut zur Geltung kommt (meistens bedeutet das eine längere Belichtungszeit) und beim zweiten Bild soll der Vordergrund gut belichtet sein (dabei wird der Sternenhimmel meist etwas zu dunkel). Wie das zusammenführen der Fotos mit einem Bildbearbeitungsprogramm funktioniert kannst du dir hier anschauen:

 

Hier sind zwei Beispiele dieser Technik aus dem Atlasgebirge in Marokko.

[LINKS: Nikon D7500/Sigma 10mm/30 Sek/f 4.0/ISO 4500. MITTE: Nikon D7500/Sigma 10mm/10 Sek/f 4.0/ISO 9000]

 

[LINKS: Nikon D7500/Sigma 10mm/30 Sek/f 4.0/ISO 9000. MITTE: Nikon D7500/Sigma 10mm/1 Sek/f 4.0/ISO 1600]

 

Viel Spaß beim Fotografieren!

PS: Hier sind noch ein paar weitere nützliche Links:

https://www.youtube.com/watch?v=usYw7KmhXRc
https://stephan-forstmann.de/nachts-fotografieren-tipps/
https://fotoschule.fotocommunity.de/sterne-fotografieren-von-der-planung-bis-zum-fertigen-bild/

 

Autor: Luca De Giorgi

Wanderführer, Fotograf und leidenschaftlicher Bergsteiger, den es immer wieder in fremde Länder zieht. Als Kletterer im Südtiroler Alpenverein bei den Jungen Alpinisten groß geworden, absolvierte er später die Ausbildung zum Tourenleiter. Arbeitet für eine Bozner Reiseagentur, für die er Wanderwochen in und außerhalb Europas leitet. In seiner Freizeit zieht es ihn zum Klettern und Trekken in die Berge, je entlegener und fremder das Ziel, desto besser. Zu seinen Lieblingsdestinationen zählen Marokko, Vietnam und Kirgisistan. www.lucadegiorgi.com