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Geschrieben am: 13/07/2020

Red Rocks – Mehrseillängen Klettern im Südtiroler Porphyr

Der neue Kletterführer „Red Rocks – Mehrseillängen Klettern im Südtiroler Porphyr“ ist nun bei Mountain Spirit erhältlich.

 

Thomas Mair und Julia Waldner in der “Coyote”

 

Klettern in Porphyr steht im Schatten der Dolomiten. Doch auch hier kann man lohnende Mehrseillängen Touren klettern. Auf der Sarner Scharte und im Bozner Talkessel gibt es neben mehreren Klettergärten auch über 80 Mehrseillängen Routen. In diesem Kletterführer werden erstmals fast alle Routen in diesem Gestein vorgestellt. Zusammen mit Peter Warasin, Johannes Kaufmann und Gabriel Rossi habe ich in enger Zusammenarbeit mit dem Alpenverein Südtirol diesen Kletterführer veröffentlicht. Dieses Buch soll nicht nur möglichst genaue Routeninfos für Wiederholer bereitstellen, sondern auch die bisherige Porphyr-Klettergeschichte zusammenfassen und hoffentlich einen zusätzlichen Anstoß für die weitere Erschließung in diesem Gestein geben.

 

 

 

 Details:

  • Mehr als 80 Touren im Porphyr zwischen der Sarner Scharte und den Pfattner Wänden
  • Mit Topos, Wandbilder und Fotos
  • Mit vielen Zusatzinfos zum Klettern im Porphyr, wie z.B. Interviews mit Erstbegehern
  • 164 Seiten in Farbe
  • Eine italienische Übersetzung des Führers ist für Herbst 2020 vorgesehen.
  • Hier erhältlich
  • Preis: 15 Euro

 

Ein Auszug aus der Einleitung:

Sonia Tammerle in der “Quergongwalli”

Wir Südtiroler sind verwöhnte Kletterer, im Sommer locken die wunderbaren Dolomiten und im Winter ist es nicht weit bis zum Sarchetal. Gneiss, Granit und sogar auf Marmor kann man bei uns klettern. Kein Wunder, dass die Porphyrfelsen in der Landesmitte so lange ein Nischendasein fristeten. Auch wir Autoren legten unsere ersten Klettermeter auf Kunstgriffen oder im Dolomit zurück. Erst nach mehreren Jahren kamen wir in den Klettergärten auf dem Ritten und bei Gargazon zum ersten Mal mit diesem Gestein in Kontakt. Dann brauchten wir noch etwas Zeit und Biss, um uns die erforderlichen Klettertechniken anzueignen, doch schlussendlich zog uns der Porphyr in seinen Bann. Den klaren Linien und perfekten Rissen, der schönen Farbgebung konnten wir einfach nicht widerstehen. Wir fingen an, alle Porphyrtouren zu wiederholen und schließlich selbst neue zu eröffnen. Bis auf wenige Ausnahmen sind alle hier vorgestellten Touren von mindestens einem der Autoren im Zeitraum zwischen Herbst 2017 und Frühling 2020 geklettert worden. Bei uns sammelten sich zahlreiche Erfahrungen und Informationen zum Klettern in diesem Gestein. Nichts lag also näher, als an die Veröffentlichung eines neuen Führers zu denken.

Dabei sind wir nur die Letzten in einer langen, aber wenig bekannten Liste von Porphyrliebhabern. Angefangen hat wohl alles 1947 mit der Besteigung des Candelone in St. Jakob durch Rinaldo Chistè und Kollegen. In den darauffolgenden Jahrzehnten bildete sich eine kleine Gruppe italienischsprachiger Kletterer, die die Erschließung dieser Felsen vorantrieb. In den späten 1960er-Jahren eröffneten Heini Holzer und Kollegen die ersten längeren und alpinen Linien auf der Sarner Scharte. Doch die Entwicklung lief stockend voran und war nur von wenigen Motivierten getragen. Sei es in den talnahen Felsen um Bozen als auch auf der Scharte wechselten sich kurze Perioden der Erschließung mit Jahren des Vergessens ab. 1990 publizierte Hansjörg Zatelli den ersten Führer mit Routen der Sarner Scharte. Zehn Jahre später, im Jahre 2000, veröffentlichte Roberto Iacopelli „Perfidi Porfidi“ den ersten allgemeinen Porphyr-Kletterführer und direkten Vorgänger dieses Buches. In den letzten 20 Jahren hat sich einiges getan, mehr als die Hälfte der hier vorgestellten Touren sind in diesem Zeitraum entstanden. Dank der Webseite des Alpenvereins Südtirol für Erstbegehungen wurde es ab 2009 möglich, neue Entwicklungen zu verfolgen, was sicherlich zum Erschließungs-Boom der letzten Jahre beigetragen hat. Trotz allem steckt Klettern im Porphyr noch in den Kinderschuhen, es gibt noch etliche Felsen zu erschließen. Mit der Veröffentlichung dieses neuen Porphyr-Führers haben wir die bisherigen Entwicklungen zusammenzufassen versucht und hoffen, einen zusätzlichen Anstoß für die weitere Erschließung in diesem wunderbaren Gestein zu geben.

Johannes Kaufmann in der “Oxl-Spray”

 

Doch sei auch gleich gesagt, dass Klettern im Porphyr einige erhebliche Nachteile aufweist:

  • Wir Dolomitenkletterer sind ein solches Gestein nicht gewohnt, selbst geübte Granitkletterer können am Anfang diesen ganz anderen Kletterstil frustrierend finden.
  • Leider ist dieses Gestein oft brüchig, auch bei Klassikern ist auf loses Gestein achtzugeben.
  • Da sich viele der Touren in niedrigen Lagen befinden, wachsen wenig wiederholte Linien schnell zu. Auf den dem Regen ausgesetzten Stellen gedeihen Flechten und nach starken Regenfällen können Teile der Routen mit Erde und Laub verschmutzt sein.
  • Da viele Zustiege in Talnähe liegen, muss man oft durch dichte Vegetation oder man bewegt sich auf Privatgrund.
  • Die Touren sind generell wenig kontinuierlich und kurz. Meist geht es um eine oder zwei schöne Seillängen, der Rest ist Zu- und Ausstieg.
  • Es gibt wenige Plaisir-Touren, die meisten verlangen alpine Erfahrung und Umgang mit mobilen Sicherungsgeräten.
  • Bis auf die Touren der Sarner Scharte fehlt es den Linien am Nimbus hoher Spitzen. Der Ausstieg im Wald eines Felsens oberhalb des Bozner Friedhofs ist eben nicht der Gipfel der Großen Zinne.

Trotzdem gibt es einige sehr gute Gründe, im Porphyr zu klettern:

  • Es ist kein Kalkstein. Bei aller Liebe zum Dolomit ist es erfrischend, auch auf einem völlig anderen Gestein klettern zu können.
  • Kurze Routen in Talnähe können an langen Tagen auch nach der Arbeit geklettert werden.
  • Wenn das Wetter in den Bergen nicht stimmt, sind die Touren im regensicheren Bozner Talkessel eine gute Alternative.
  • Klettern im Porphyr ist weithin unbekannt, man trifft dabei nur sehr selten andere Seilschaften.
  • Man muss nicht in die Berge, um ein Abenteuer zu erleben, auch in Talnähe gibt es alpine Touren.
  • Klettern im Porphyr ist ästhetisch: Die Farben, Risse und Bewegungen sind einzigartig.

 

Johannes Kaufmann in der “Wo die Schoschonen schön wohnen”

Porphyr ist nicht gleich Porphyr. Mal ist dieses Gestein extrem hart und glatt wie in Gargazon, mal weich und spröde wie in der Sarner Schlucht, in Pfatten überwiegen vertikale Risse und Kanten, auf der Sarner Scharte hingegen Platten. Trotz dieser großen Unterschiede, benutzen wir der Einfachheit halber den allgemein bekannten Begriff „Porphyr“, um die Gesteine der vulkanischen Ablagerung zwischen der Sarner Scharte im Norden und den Pfattner Wänden im Süden zu benennen. Interessierte Leser finden eine genauere geologische Beschreibung dieses Gesteins im Einführungskapitel. Außerhalb von Südtirol wird etwas weiter im Süden auf dem Porphyr der Tognazza und des Colbricon geklettert, die aber immer noch Teil derselben Ablagerung sind. Unser nächstgelegenes Porphyr-Klettergebiet ist der Klettergarten Rochlitzer Berg in der Nähe von Dresden. Weitere Porphyr-Klettergebiete findet man auf den Kanaren, in Neuseeland, Australien, Argentinien und Peru.

 

 

Julia Waldner in der “Coyote”

 

Aus der anfänglich anvisierten Broschüre ist schlussendlich ein richtiger Kletterführer geworden. Für die meisten Kletterer und Klettererinnen hätte wohl eine Broschüre mit den 30 besten Touren ohne zusätzliches Material gereicht. Doch während der Recherche sind wir auf viele weitere, uns unbekannte und zugegeben recht obskure Touren gestoßen. Diese wieder in Vergessenheit geraten zu lassen wäre schade gewesen. Außerdem sind während der zweijährigen Schreibarbeiten mehrere neue Touren dazu gekommen. Wir haben unzählige Gespräche mit Erstbegehern und Wiederholern geführt, die oft besondere Einblicke in die Geschichte des Kletterns auf diesem Gestein gewährten. Einige davon schienen uns zu wertvoll, um sie nicht mit der Klettergemeinschaft zu teilen.

 

 

 

Dieser Führer ist das Werk von vier Autoren und mehrerer Gastautoren. Die gesamte Recherche- und Schreibarbeit wurde von uns ehrenamtlich und Dank der Unterstützung des Alpenvereins Südtirol und mehreren Sponsoren (darunter auch Mountain Spirit) ausgeführt.

Wir wünschen Euch erfolgreiche Wiederholungen und freuen uns auf weitere Erstbegehungen!
Luca, Peter, Johannes und Gabriel

Autor: Luca De Giorgi

Wanderführer, Fotograf und leidenschaftlicher Bergsteiger, den es immer wieder in fremde Länder zieht. Als Kletterer im Südtiroler Alpenverein bei den Jungen Alpinisten groß geworden, absolvierte er später die Ausbildung zum Tourenleiter. Arbeitet für eine Bozner Reiseagentur, für die er Wanderwochen in und außerhalb Europas leitet. In seiner Freizeit zieht es ihn zum Klettern und Trekken in die Berge, je entlegener und fremder das Ziel, desto besser. Zu seinen Lieblingsdestinationen zählen Marokko, Vietnam und Kirgisistan. www.lucadegiorgi.com