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Geschrieben am: 22/01/2018

Achtung Lawinen! Alles was du über die Basis-Notfallausrüstung wissen solltest

Ein LVS-Gerät, eine Sonde und eine Schaufel sind keine Sicherheits-, sondern eine Notfallausrüstung. Sie tragen nämlich nicht zu mehr Sicherheit bei, sondern zur Schadensbegrenzung. Deshalb muss dieses Rettungssystem bei Skitouren, Tiefschneeabfahrten oder Schneeschuhtouren im Gelände immer im Rucksack sein.

Bei den Skitouring-Freeriding-Test-Days in Sulden haben es die Berg- und Skiführer immer wieder betont: Wer außerhalb der Pisten oder auf Skitour ein paar Grundregeln befolgt, verringert die Gefahr, von einer Lawine oder von einem Schneebrett verschüttet zu werden. Ganz ohne Risiko bleibt das Vergnügen im Tiefschnee aber nie. Deshalb ist eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Ausrüstung und der Beschaffenheit der Schneedecke unerlässlich. Wer mit dem Equipment versiert umgehen kann, weiß auch bei einem Lawinenabgang und unter den extremen Bedingungen im Notfall richtig zu handeln. Deshalb sollte man immer wieder gemeinsam mit den Tourenkameraden den Umgang mit der Notfallausrüstung üben.

Nach vielen LVS Tests durch unsere Bergführer und Professionals haben wir nur noch digitale LVS Geräte mit 3 Antennen im Angebot. Dazu gibt es ausschließlich stabile Lawinenschaufeln aus Aluminium in unseren Sets.

Das LVS-Gerät (Lawinenverschüttetensuchgerät)
Das batteriebetriebene LVS-Gerät gehört zur Standard-Notfallausrüstung für den Wintersport. Es kann auf der genormten Frequenz (457 kHz) Signale senden um empfangen. Alle heute erhältlichen LVS-Geräte, vorwiegend digitale 3-Antennen-Geräte mit Markierfunktion, sind miteinander kompatibel.

Einige Modell-Empfehlungen:


Mammut Barryvox S (im Set)

Beste Empfangsreichweite
Digital- Analog Kombigerät
Maximale Reichweite über 70 m

 

 

Pieps DSP Pro (im Set)
Die ideale Unterstützung für alle Profis im Bergsport, die höchste Ansprüche an ein LVS-Gerät stellen und keine Kompromisse dulden.
Reichweite bis zu 60 m
3-Antennen
Batterielebensdauer: 400h

 

Der LVS-Check
Ist das Gerät eingeschaltet? Sind die Batterien frisch? Sind die Geräte aller Tourenteilnehmer in Betrieb?

Der LVS-Check dient der Sende- und Empfangskontrolle der LVS-Geräte. Dieser Check ist unerlässlich, denn Geräte, die nicht senden und/oder empfangen können sind wertlos.
Während der Tour wird das LVS-Gerät im „Senden“-Modus am Körper (niemals an der äußersten Kleidungsschicht oder im Rucksack) getragen. Das Gerät sendet ein (für den Menschen nicht hörbares) Signal aus, das im Falle einer Verschüttung auch durch die Schneedecke dringen und von anderen LVS-Geräten empfangen werden kann.

 

Der „Such-Modus“:
Wird ein Mitglied der Gruppe von einer Lawine erfasst und verschüttet, werden die LVS-Geräte auf Suchen gestellt. Nun erscheint am Display ein Pfeil, der die Richtung zum Verschütteten anzeigt, sowie eine Entfernungsangabe. Die Reichweite der Geräte liegt zwischen 40 und 60 m.
Der heikelste Moment während der Suche ist die letzte Phase, die sogenannte Feinsuche von 3 bis 5 Meter zum Verschüttungspunkt. Wer sich hier unpräzise bewegt, vergeudet wertvolle Zeit. Deshalb sollte man besonders in dieser Phase die Ruhe bewahren.

Sonde und Schaufel
Marktübliche Lawinensonden sind mindestens 240 cm lang und bestehen aus mehreren, etwa 40 cm langen Segmenten aus Aluminium oder Carbon, die durch ein Kabel miteinander verbunden werden können. Diese sogenannten Wurfsonden können einfach ausgeworfen und sind in Sekundenschnelle einsatzbereit. Die meisten Skitouren- und Freeride-Rucksäcke verfügen über ein Notfallfach, in dem man Sonde und Schaufel stets griffbereit verstauen kann.

Wenn man mit dem LVS-Gerät unmittelbar bis zur verschütteten Person gelangt, wird die Suche mit der Feinsuche und mit der Sonde präzisiert.

Man sondiert dabei kreisförmig mit einmaligen Stichen. Dabei verbleibt die obere „Stechhand“ unverändert an derselben Stelle. Ein Tiefenunterschied, heißt: ein Körper ist damit sofort erkennbar. Mit Hilfe der Sonde kann die genaue Lage und Tiefe des Verschütteten festgestellt werden. Sobald ein Treffer erzielt worden ist, wird dieser markiert. Dazu wird die Sonde als Anhaltspunkt einfach im Schnee stecken gelassen.

 

Ortovox 240 Light PFA

 

 

 

 

 

Pieps I Probe II

 

 

Ist das Opfer geortet, kommt die Lawinenschaufel zum Einsatz. Diese Phase der Bergung nimmt erfahrungsgemäß die meiste Zeit in Anspruch.
Das Blatt einer guten Lawinenschaufel sollte aus hochwertiger Aluminium-Legierung bestehen, der Stiel mit ergonomischem Griff ausziehbar sein. Die ersten Schaufelstiche sollten hangabwärts der Sonde angelegt werden. Sobald die Position des Körpers erahnt werden kann, wird in Richtung Kopf weitergegraben, um das Opfer schnellstmöglich mit Sauerstoff versorgen zu können. Anschließend wird flach und rampenartig geschaufelt, bis der Körper sanft vom Lawinenschnee befreit werden kann.

Modell-Empfehlungen:

 

Ortovox Pro Alu III
Die klassische Lawinenschaufel

 

 

 

 

Ortovox Kodiak
Lawinenschaufel mit Räumfunktion

 

 

 

Europäische Lawinengefahrenskala

Vor der Fahrt in ungesichertes Gelände sollte man sich immer mit der aktuellen Wetter- und Lawinensituation auseinandersetzen. Der zuständige Lawinenwarndienst informiert meist mehrmals täglich über die aktuelle Lawinengefahr, die meist auch auf den Pistenplänen im Skigebiet ersichtlich ist.

Die Lawinengefahrenskala vermittelt dabei auf den ersten Blick eine Übersicht, wie sich die aktuelle Gefahrensituation darstellt. Sie ist unterteilt in fünf Stufen, die mit unterschiedlichen Zahlen und Farben markiert sind.

Bei Stufe 1 (Grün) sind Lawinen nur bei großer Zusatzbelastung und an extremen Steilhängen möglich. Mäßige Lawinengefahr markiert Stufe 2 (Gelb), hier sind Lawinen nur an angegebenen Steilhängen und bei großer Zusatzbelastung erwartbar.
Bei Warnstufe 3 (Orange) herrscht erhebliche Lawinengefahr, hier können an Steilhängen bereits bei geringer Belastung Lawinen abgehen. Viele mittlere, aber auch große Lawinen sind bei Stufe 4 (Rot) auch bei wenig Zusatzbelastung möglich und bei Stufe 5 (schwarz-rot kariert) herrscht sehr große Lawinengefahr. Bei solchen Bedingungen sind viele große Lawinen, auch in mäßig steilem Gelände, möglich. In vielen Skigebieten ist dann kein Betrieb mehr möglich, auf Touren abseits der Piste sollte man verzichten.
Klar ist: Lawinenwarnstufen können immer nur für ganze Gebiete gelten, vor Ort gilt es dann immer noch, sich selbst ein genaues Bild der Lage zu machen und lawinengefährdete Hänge zu meiden.

 

Autor: Peter Righi

Publizist und erfahrener Touristiker, Landschaftsentdecker und leidenschaftlicher Südtirol-Kenner, der wissbegierig ständig auf der Suche nach Neuem ist. Seit mehr als 30 Jahren besteigt er bekannte und weniger prominente Gipfel der Ostalpen und ist liebt das Abenteuer in den schönsten Naturlandschaften der Erde. Rege Publikationstätigkeit für renommierte Verlage und Journale. Er ist in seiner Heimatstadt Bozen als Journalist tätig.